Wise oder PayPal: was Freiberufler wirklich zahlen
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Fast jeder Freiberufler hat schon ein PayPal-Konto, also fühlt es sich wie der naheliegende Weg an, um Zahlungen von Auslandskunden zu empfangen. Aber “das hat jeder” und “das ist der günstigste Weg, Geld zu bewegen” sind zwei völlig verschiedene Aussagen. Der wahre Unterschied zwischen Wise und PayPal liegt nicht bei den Funktionen, sondern bei der Frage, wo jeder Anbieter seinen Preis versteckt. Wise zeigt dir den echten Wechselkurs und danach eine klar sichtbare Gebühr. PayPal faltet seine Marge in den Kurs selbst hinein. Sobald du das einmal siehst, wird die Wahl deutlich leichter.
Wo der Preis wirklich steckt
Wise rechnet zum Mittelkurs um, also dem Interbankenkurs, den du auch bei Google siehst, und legt eine einzige sichtbare Gebühr obendrauf. Diese Gebühr beginnt bei etwa 0,5 bis 1 Prozent des Betrags (ab rund 0,54 Prozent) und steht vor dem Bestätigen schwarz auf weiß da.
PayPal funktioniert genau andersherum. Der Anbieter setzt einen Wechselkurs an, der über dem Mittelkurs liegt, laut PayPals eigener Gebührenseite typischerweise 3 bis 4 Prozent über dem Basiskurs. Dieser Aufschlag taucht nie als eigener Posten auf, sondern versteckt sich im Kurs. Genau deshalb kann eine PayPal-Zahlung an der Gebührenzeile billig aussehen und trotzdem mehr kosten, sobald das Geld ankommt.
Was 1.000 US-Dollar wirklich kosten
Zahlen machen die Lücke greifbar. Stell dir vor, ein Kunde zahlt dir 1.000 US-Dollar, und du brauchst am Ende Euro auf deinem Konto.
Bei Wise beginnt die Gebühr bei etwa einem halben Prozent, also grob 5 bis 9 US-Dollar auf 1.000, und die Umrechnung läuft zum Mittelkurs ohne Aufschlag. Du bekommst nahezu den vollen Euro-Gegenwert zum Google-Kurs, minus dieser einen sichtbaren Gebühr.
Bei PayPal, gesendet als internationale Privatzahlung, beträgt die Transfergebühr 5 Prozent, gedeckelt bei 4,99 US-Dollar, also rund 5 US-Dollar. Was wehtut, ist die Währungsumrechnung: rechne mit dem oberen Ende, etwa 4 Prozent über PayPals Basiskurs, also rund 40 US-Dollar, unsichtbar in den Kurs eingefaltet. Die realen Kosten landen bei knapp 45 US-Dollar, und fast nichts davon steht an der Gebührenzeile.
Gleiche 1.000 US-Dollar, und der Unterschied liegt zwischen rund 5 bis 9 US-Dollar und etwa 45 US-Dollar. Bei kleinen Zahlungen in derselben Währung schrumpft die Lücke fast auf null. Je größer der Betrag und je weiter die Währungen auseinanderliegen, desto weiter zieht Wise davon. Prüfe vor jedem Transfer die aktuellen Zahlen auf den Gebührenseiten beider Anbieter, denn die Preise bewegen sich je nach Korridor.
Bezahlt werden, nicht nur senden
Für Freiberufler zählt die Empfangsseite genauso viel wie das Senden, und hier arbeiten die beiden völlig unterschiedlich. Wise gibt dir echte lokale Kontodaten in rund neun Kernwährungen (USD, EUR, GBP, AUD und mehr). Du bekommst also eine echte Euro-IBAN, sodass ein deutscher oder europäischer Kunde dich per ganz normaler SEPA-Überweisung bezahlen kann, so als hättest du ein Konto nebenan. Guthaben hältst oder wandelst du zum Mittelkurs um.
PayPal überspringt die Bankdaten komplett. Ein Kunde zahlt dich mit ein paar Klicks, nur mit deiner E-Mail-Adresse, was herrlich reibungslos ist. Dafür triffst du auf die Gebühren und denselben Wechselkursaufschlag in dem Moment, in dem du umrechnest oder auszahlst.
Und hier lohnt sich der Gedanke an den Heimvorteil: Viele deutsche Freiberufler haben ohnehin schon ein N26- oder Sparkassen-Konto. Beide sind bequem für den Alltag in Euro, aber keines rechnet Fremdwährungen zum Mittelkurs um. Genau diese Lücke füllt eine echte lokale Kontonummer bei Wise, ohne dass ein Auslandskunde je von einer IBAN irritiert wird.
Privat oder geschäftlich: die PayPal-Falle
Bei PayPal gibt es einen Unterschied, den du kennen solltest. Eine “Waren und Dienstleistungen”-Zahlung kostet den Verkäufer eine Gebühr und gibt dem Käufer den PayPal-Käuferschutz. Eine “Freunde und Familie”-Zahlung verzichtet auf diesen Schutz. Und schickst du “Freunde und Familie” über die Grenze, fällt trotzdem PayPals internationale Gebühr von 5 Prozent an (gedeckelt bei 4,99 US-Dollar) plus der Umrechnungsaufschlag. Daraus ergeben sich zwei Faustregeln: Verkleide nie einen echten Auftrag als “Freunde und Familie”, um eine Gebühr zu sparen, denn du wirfst den Schutz weg, den du brauchen könntest. Und geh nie davon aus, dass eine grenzüberschreitende Privatzahlung gratis ist, denn der Kursaufschlag arbeitet still im Hintergrund weiter.
Wann welches Werkzeug
Für alles, was über Währungen hinweg geht, also einen Auftraggeber im Ausland bezahlen oder in einer anderen Währung Rechnungen stellen, ist Wise fast immer der günstigere Weg. Mittelkurs plus eine sichtbare Gebühr schlägt den versteckten Aufschlag, und je größer der Betrag, desto breiter die Lücke.
PayPal gewinnt bei Reichweite, bei Tempo zwischen PayPal-Konten und beim Schutz. Kauft ein Kunde online von jemandem, dem er nicht ganz vertraut, greift bei berechtigten Zahlungen der Käuferschutz, den eine reine Überweisung nicht bietet. Und in Ländern, die Wise nicht bedient, ist PayPals Netz aus über 200 Ländern manchmal schlicht das Einzige, was ankommt. Wise zahlt dafür an Bankkonten in über 140 Ländern aus, ohne dass der Empfänger selbst ein Wise-Konto braucht.
Viele behalten beide: Wise als grenzüberschreitende Geld-Infrastruktur, PayPal als geschützte Kasse und als bequemen “Jetzt bezahlen”-Knopf für den Kunden, der es so will. Wer bereits Guthaben in PayPal hat, kann es auf ein verknüpftes Bankkonto auszahlen und von dort zu Wise weiterschicken, um es zum Mittelkurs zu halten.
Welche Währungen du wirklich einnimmst, ausgibst und sendest, entscheidet am Ende mehr als jede Rangliste. Unser Kontofinder für Nomaden wiegt Wise, PayPal und die Alternativen gegen genau die Währungen ab, in denen du arbeitest, und gegen den Ort, den du dein Zuhause nennst.