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Glossar

NHR-Regime (Portugal)

Das portugiesische NHR-Regime war ein zehnjähriges Steuerregime, das qualifizierten Neuzuzüglern reduzierte oder gar keine Steuern auf weite Teile ihres Auslandseinkommens bot. 2024 wurde es für die meisten neuen Antragsteller geschlossen und durch das engere IFICI ersetzt.

NHR steht für „Non-Habitual Resident“, einen besonderen portugiesischen Steuerstatus, der über viele Jahre lief und zu einem der bekanntesten Anreize für Auswanderer in Europa wurde. Wenn du die Voraussetzungen erfülltest, sichertest du dir zehn Jahre lang eine günstige Behandlung: einen pauschal reduzierten Satz auf bestimmte berufliche Einkünfte aus portugiesischer Quelle sowie reduzierte oder gar keine Steuern auf mehrere Arten von Auslandseinkommen, etwa einige Renten und Dividenden. Wie es konkret aussah, hing immer von der Einkommensart ab und von einem etwaigen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Portugal und dem Quellenland.

Beim Umzug ins Ausland ist das deshalb relevant, weil die Alternative die gewöhnliche portugiesische Steueransässigkeit ist, bei der Portugal dein weltweites Einkommen progressiv besteuert. Für Remote-Arbeitende, Ruheständler oder Menschen mit Auslandsanlagen konnte NHR ein Jahrzehnt lang eine spürbar geringere Steuerlast bedeuten. Genau deshalb wurde es so oft mit dem D7-Visum (Portugal) kombiniert, dem Weg für passives Einkommen und Ruheständler, über den viele überhaupt erst ihren Aufenthaltstitel bekamen.

Wer aus Deutschland kommt, muss zuerst eine Sache klären: deine deutsche Steuerpflicht wirklich beenden. Die bloße Abmeldung beim Einwohnermeldeamt reicht dafür nicht. Nach §8 AO bleibt dein steuerlicher Wohnsitz bestehen, solange du in Deutschland eine Wohnung behältst, die du jederzeit nutzen kannst, etwa die nicht aufgegebene Eigentumswohnung oder das Zimmer bei den Eltern; erst wenn du diese Verfügungsmacht aufgibst, fällt der Wohnsitz weg. Daneben begründet §9 AO einen gewöhnlichen Aufenthalt schon bei mehr als sechs Monaten im Land. Und selbst nach einem sauberen Wegzug greift unter Umständen §2 AStG: Wer als ehemaliger Deutscher in ein niedrig besteuerndes Land zieht, kann bis zu zehn Jahre lang erweitert beschränkt steuerpflichtig bleiben, also weiter auf bestimmte deutsche Einkünfte zahlen. Solange das nicht geklärt ist, läuft der portugiesische Vorteil ins Leere.

Hier ist der Haken, den die meisten übersehen: NHR ist weitgehend geschlossen. Portugal hat im Laufe des Jahres 2024 die meisten neuen NHR-Anträge nicht mehr angenommen (mit einem schmalen Übergangsfenster bis Anfang 2025) und das Regime durch ein restriktiveres ersetzt, das auf wissenschaftliche Forschung und Innovation ausgerichtet ist und manchmal IFICI oder „NHR 2.0“ genannt wird. Wenn du bis zum Stichtag bereits angemeldet warst, behältst du deine Vorteile in der Regel für den Rest deiner zehn Jahre. Falls du gerade über NHR als aktuelle Option liest, prüfe genau, ob es um das alte Regime, die Übergangsregeln oder das neue geht, denn sie sind nicht dasselbe und die Voraussetzungen sind inzwischen deutlich strenger. Wer das abwägt, vergleicht es oft mit Alternativen wie dem spanischen Beckham-Gesetz (Spanien) oder Ländern mit territorialer Besteuerung, die nur das lokale Einkommen besteuern.

Das sind allgemeine Informationen, keine Beratung. Steuerregeln ändern sich und die Details hängen von deiner Einkommensart und deinem Heimatland ab. Kläre die aktuelle Lage daher mit der portugiesischen Steuerbehörde (Autoridade Tributária) oder einer qualifizierten Fachperson, bevor du handelst. Ein sinnvoller erster Schritt ist, mit dem Rechner für den steuerlichen Wohnsitz herauszufinden, wo du tatsächlich als ansässig giltst.

Wo dir das begegnet

  • Beim Lesen älterer Auswanderer-Blogs oder Forenthreads, die NHR noch als laufende Option anpreisen, obwohl das Regime für die meisten neuen Antragsteller längst geschlossen ist.
  • Im Gespräch mit einem portugiesischen Steuerberater, der dir sagt, ob du unter das bestandsgeschützte NHR, die Übergangsregeln oder das neuere IFICI fällst.
  • Beim Vergleich von Zielländern als Remote-Arbeitende oder Ruheständler, wenn Portugals Steuerangebot gegen das spanische Beckham-Gesetz und Länder mit territorialer Besteuerung abgewogen wird.

In die Praxis umsetzen

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