Glossar
Steueridentifikationsnummer
TIN steht für Taxpayer Identification Number. In Deutschland ist damit die elfstellige steuerliche Identifikationsnummer vom Bundeszentralamt für Steuern gemeint, die dir ein Leben lang bleibt, und nicht die Steuernummer, die dein Finanzamt vergibt.
Eine Steueridentifikationsnummer, meist als TIN abgekürzt, ist die Nummer, unter der dich die Steuerbehörde eines Landes führt. Sie verknüpft deine Einkünfte, Erklärungen und Zahlungen mit einer einzigen Person. Fast jedes Land hat so etwas, sie heißt nur überall anders: in Deutschland ist es die elfstellige steuerliche Identifikationsnummer vom Bundeszentralamt für Steuern, kurz BZSt, in den USA die SSN oder ITIN, in Spanien die NIE/NIF und in Italien der Codice Fiscale.
Im Zielland ist die TIN meist die erste Nummer, die du überhaupt brauchst. Ohne sie kommst du dort oft nicht weit: kein Arbeitsvertrag, keine Anmeldung als Selbstständiger, kein Konto vor Ort, mancherorts nicht einmal ein Mietvertrag. In Deutschland musst du sie nicht beantragen. Sobald du dich beim Bürgeramt anmeldest, übermittelt die Meldebehörde deine Daten ans BZSt, und das schickt dir die Nummer wenige Wochen später per Brief. Sie bleibt ein Leben lang gleich, selbst wenn du umziehst oder das Land verlässt. In Spanien und Italien bekommst du die dortige Nummer schon über das Konsulat, bevor du überhaupt einziehst. Das erledigst du also besser vorab.
Eine TIN zu haben ist allerdings nicht dasselbe wie steueransässig zu sein, und dieser Unterschied kostet regelmäßig Nerven. Die Nummer ordnet dich einem Steuersystem zu; die Regeln zur Ansässigkeit entscheiden, wo du tatsächlich Steuern zahlst. In Deutschland kommt es nach § 8 der Abgabenordnung auf den Wohnsitz an, also darauf, ob du eine Wohnung unter Umständen innehast, die darauf schließen lassen, dass du sie beibehalten und benutzen wirst, oder nach § 9 AO auf den gewöhnlichen Aufenthalt von mehr als sechs Monaten. Die bloße Abmeldung beim Bürgeramt beendet deine Steuerpflicht daher nicht. Ob der steuerliche Wohnsitz endet, hängt vom Einzelfall ab und wird regelmäßig vor Gericht gestritten: Die Wohnung im Inland tatsächlich aufzugeben ist der eine Teil, der gewöhnliche Aufenthalt der andere. Deutsche Einkünfte bleiben oft auch danach hier steuerpflichtig. Kläre einen Wegzug deshalb vorher mit einem Steuerberater.
Nummern in mehreren Ländern gleichzeitig zu haben ist ganz normal, gerade bei Nomaden, die im Heimatland noch etwas laufen haben. Bei der Beantragung im Ausland wirst du womöglich nach Dokumenten gefragt, für die du eine Apostille brauchst, und die Nummer taucht wieder auf, wenn du ein Konto mit IBAN einrichtest. Unser Umzugs-Assistent zeigt dir, welche du zuerst brauchst.
TIN, Steuer-ID oder Steuernummer? So sortierst du das
Hier verheddern sich fast alle, dabei ist die Antwort eindeutig. Fragt ein Formular nach deiner „Tax Identification Number“, ist in Deutschland die steuerliche Identifikationsnummer gemeint, kurz IdNr oder Steuer-ID. Elf Ziffern, vergeben vom BZSt auf Grundlage von § 139b der Abgabenordnung, einmal im Leben und im Normalfall nie wieder geändert. Die Nummer hängt an dir, nicht an deinem Wohnort, deinem Arbeitgeber oder deinem Familienstand.
Die Steuernummer ist etwas völlig anderes. Die vergibt dein Finanzamt vor Ort, und sie hängt an einer konkreten Steuerakte. Ziehst du in einen anderen Finanzamtsbezirk, meldest du ein Gewerbe an oder wirst du nach der Heirat gemeinsam veranlagt, kann sich deine Steuernummer ändern, im Lauf eines Lebens auch mehrfach. Sogar ihr Aufbau unterscheidet sich je nach Bundesland. Als internationale Kennung taugt sie deshalb nicht, und ein ausländisches Formular fragt auch nicht nach ihr.
Dazu kommt die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die aus „DE“ und neun Ziffern besteht. Die brauchst du für Rechnungen an Geschäftskunden im EU-Ausland. Mit deiner persönlichen TIN hat sie nichts zu tun, auch wenn beide das Wort Identifikationsnummer im Namen führen.
Ein Stolperstein aus englischen Formularen: Manche fragen nach einer „federal tax ID“. Das klingt nach Finanzamt, gemeint ist aber die bundesweit vergebene Nummer, also wieder die Steuer-ID vom BZSt. Die Steuernummer kommt dagegen von deinem örtlichen Finanzamt und ist damit gerade nicht die Nummer des Bundes.
„Non-US TIN“: was du in amerikanische Formulare einträgst
Diese Frage kommt fast immer aus derselben Ecke. Du eröffnest ein Depot, meldest dich bei einem US-Broker an, lässt dich von einer Plattform auszahlen oder sollst bei deiner Bank eine Selbstauskunft ausfüllen. Vor dir liegt dann ein Formular, meist ein W-8BEN oder ein Bogen nach FATCA und CRS, und es trennt sauber zwischen zwei Dingen: einer amerikanischen Steuernummer und einer ausländischen.
In die Zeile für die U.S. taxpayer identification number (SSN oder ITIN) gehört nichts, wenn du keine hast. Genau darum dreht sich der Ausdruck „Non-US TIN“: Das Formular will festhalten, dass du kein US-Steuerpflichtiger bist, und trotzdem eine Nummer haben, unter der dich deine eigene Steuerbehörde führt.
In die Zeile für die foreign tax identifying number trägst du deine elfstellige Steueridentifikationsnummer ein, sofern du in Deutschland steuerlich ansässig bist. Am besten ohne Punkte und ohne Leerzeichen, auch wenn sie auf deinen Unterlagen zur besseren Lesbarkeit in Blöcken gruppiert steht. Als Land der steuerlichen Ansässigkeit gibst du Deutschland an.
Ein Punkt geht dabei oft unter: Gefragt ist die Nummer des Landes, in dem du steuerlich ansässig bist, nicht die deines Passes. Lebst du längst in Portugal und bist dort ansässig, gehört die portugiesische NIF ins Feld und nicht deine deutsche Steuer-ID. Falls du nicht sicher bist, welches Land das gerade ist, liefert dir unser kostenloser Rechner zum steuerlichen Wohnsitz eine erste Einschätzung, und wer am Ende besteuern darf, regelt häufig ein Doppelbesteuerungsabkommen. Das W-8BEN läuft übrigens nach einigen Jahren ab und muss erneuert werden. Eine Selbstauskunft nach CRS gilt dagegen weiter, bis sich bei dir etwas ändert, ein Umzug zum Beispiel.
Auch innerhalb der EU begegnet dir das ständig. Seit dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz müssen Verkaufs-, Vermietungs- und Auftragsplattformen die Steueridentifikationsnummer der Anbieter erheben, die über sie verkaufen, vermieten oder Aufträge annehmen, und sie ans BZSt melden. Wer nur gelegentlich privat etwas verkauft, bleibt über eine Bagatellgrenze in der Regel draußen. Betrifft es dich aber und die Plattform hält deine Auszahlung an, weil „eine Angabe fehlt“, sind oft genau diese Ziffern gemeint.
Wo du deine Steueridentifikationsnummer findest
Sie steht auf mehr Papieren, als die meisten vermuten:
- Im Brief des Bundeszentralamts für Steuern, mit dem sie dir ursprünglich mitgeteilt wurde.
- Auf der Lohnsteuerbescheinigung, die dir dein Arbeitgeber für jedes Jahr ausstellt.
- Auf jedem Einkommensteuerbescheid und auf dem Informationsschreiben deines Finanzamts.
- Auf der Bescheinigung deiner Krankenkasse über die gezahlten Beiträge, die ans Finanzamt übermittelt wird.
Auf dem Personalausweis und im Reisepass steht sie dagegen nicht, auch wenn dort viele zuerst suchen. Findest du sie nirgends, schau in Mein ELSTER in deinem Profil nach oder frag beim Finanzamt persönlich mit deinem Personalausweis. Der offizielle Weg über das BZSt geht auch, dauert aber: Die Behörde teilt die Nummer aus Datenschutzgründen ausschließlich per Post an deine gemeldete Adresse mit, nie telefonisch und nie per E-Mail. Dafür solltest du ein paar Wochen einplanen.
Wenn du Deutschland verlässt
Die Steueridentifikationsnummer verschwindet nicht, wenn du dich abmeldest. Die Nummer bleibt dir, und das ist praktisch, denn darunter finden dich Behörden und Banken auch Jahre später wieder. Behältst du deutsche Einkünfte, etwa aus einer vermieteten Wohnung, läuft dein Fall weiter unter derselben IdNr, selbst wenn für die Erklärung eine neue Steuernummer bei einem anderen Finanzamt dazukommt.
Sonst gilt, was oben steht: Sobald du woanders steuerlich ansässig bist, ist die dortige Nummer die richtige Antwort auf jede TIN-Frage. Heb trotzdem beide Nummern auf. Willst du dir später einbehaltene Quellensteuer erstatten lassen oder brauchst du eine Ansässigkeitsbescheinigung für ein Abkommen, wollen die Formulare auf beiden Seiten jeweils die passende Nummer sehen, und die deutsche findest du dann nur noch in deinen alten Unterlagen. Beim Eröffnen eines Multiwährungskontos oder eines Kontos im Ausland verlangen viele Anbieter deine TIN samt Land der Ansässigkeit, und unser Bank- & Devisen-Finder zeigt dir, welche Konten zu deinem Setup passen.
Das sind allgemeine Informationen, keine Beratung. Steuerregeln unterscheiden sich stark von Land zu Land und ändern sich häufig. Kläre die Details daher mit dem zuständigen Finanzamt, dem BZSt oder einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater, bevor du handelst.
Wo dir das begegnet
- Eine Bank im Ausland will deine TIN und dein Land der Ansässigkeit sehen, bevor überhaupt etwas passiert.
- Trittst du eine neue Stelle an, braucht dein Arbeitgeber die Steuer-ID, um deine Lohnsteuermerkmale abzurufen. Fehlt sie, wird zunächst nach Steuerklasse VI abgerechnet, der ungünstigsten von allen. Zu viel gezahlte Lohnsteuer holst du dir später über die Steuererklärung zurück.
- Meldest du dich selbstständig, fragt das Finanzamt nach deiner Steuer-ID und teilt dir daraufhin eine Steuernummer für deine selbstständige Tätigkeit zu.
- In der Steuererklärung identifiziert dich die Steuer-ID, während die Steuernummer den Vorgang beim Finanzamt bezeichnet.
- Einen Freistellungsauftrag darf deine Bank ohne deine Steueridentifikationsnummer gar nicht erst anlegen.
- Die Familienkasse braucht fürs Kindergeld die Steuer-ID des Kindes und die eines Elternteils.
- Ein W-8BEN oder eine Selbstauskunft will deine Ziffern in der Zeile für die ausländische Nummer.
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Quellen
- Bundeszentralamt für Steuern: Identifikationsnummer (elfstellig, dauerhaft gültig, Mitteilung ausschließlich per Brief)
- Abgabenordnung § 139b: Identifikationsnummer (Gesetze im Internet)
- Abgabenordnung § 8: Wohnsitz (Gesetze im Internet)
- Abgabenordnung § 9: gewöhnlicher Aufenthalt, mehr als sechs Monate (Gesetze im Internet)
- Plattformen-Steuertransparenzgesetz § 14: meldepflichtige Informationen, darunter jede dem Anbieter erteilte Steueridentifikationsnummer (Gesetze im Internet)
Voymo bietet allgemeine Informationen, die dir bei der Organisation deines Umzugs helfen. Es ist keine Rechts-, Steuer- oder Einwanderungsberatung, prüfe vor jeder Entscheidung immer eine offizielle Quelle oder eine qualifizierte Fachperson.